Der Fall Genditzki

Manfred Genditzki sitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit seit über zehn Jahren unschuldig im Gefängnis.
Der damals 49-jährige Familienvater soll am 28. Oktober 2008 in Rottach-Egern die 87-jährige Lieselotte Kortüm, die er regelmäßig mit Besorgungen, Arztfahrten und anderen Hilfeleistungen unterstützt hat, bewusstlos geschlagen und in ihrer Badewanne ertränkt haben. Der ihm angelastete Mord, den er immer bestritten hat, war nach heutigem Kenntnisstand aber ein Unfall, wie er in Haushalten älterer Menschen immer wieder passieren kann.

Petition unterschreiben


Manfred Genditzki, hier beim Prozess beim Landgericht München II im Jahr 2012, war Hausmeister und sorgte für Lieselotte Kortüm. (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Julian Baumann).




  • 28-05-1960

    Manfred Genditzki wird in Mecklenburg-Vorpommern geboren

  • 1987

    Geburt der Tochter aus 1. Ehe

  • ab 1996

    arbeitet Manfred Genditzki hauptberuflich (vorher nebenberuflich) als Hausmeister in einer Wohnanlage in Rottach-Egern am Tegernsee, in der auch die Eheleute Kortüm wohnen; Herr Genditzki kümmert sich um die beiden.

  • 2006

    Geburt des Sohnes aus 2. Ehe

  • seit 2007

    Nach dem Tod von Herrn Kortüm kümmert sich Manfred Genditzki verstärkt um Lieselotte Kortüm

  • 28.10.2008

    Todestag von Frau Kortüm. Herr Genditzki hatte sie Mittags aus dem Krankenhaus abgeholt. Gegen 18:30 Uhr wird Frau Kortüm von einer Mitarbeiterin des Pflegedienstes leblos in der Badewanne gefunden

  • 29.10.2008

    Die Leiche wird obduziert. Der Rechtsmediziner Prof. Keil stellt Tod durch Ertrinken fest, mutmaßlich durch einen Sturz in die Badewanne und notiert: „keine zwingenden Anhaltspunkte für die Mitwirkung fremder Hand in Bezug auf das Hineinkommen ins Wasser“. Tags darauf wird die Leiche eingeäschert.

  • 17.11.2008

    Der Rechtsmediziner Prof. Keil kommt nach einer „Tatortbesichtigung“, zu der er von der Polizei eingeladen worden war, nunmehr zu dem Ergebnis, dass ein Sturz in die Badewanne die Kopfschwartenhämatome und die Endlage der Leiche nicht erklären könne.

  • 24.11.2008

    Der zuständige Staatsanwalt bejaht einen Anfangsverdacht. Genditzki ist nun offiziell Beschuldigter.

  • 26.02.2009

    Manfred Genditzki wird verhaftet.

  • 2009

    Geburt der Tochter aus 2. Ehe

  • 18.08.2009

    Manfred Genditzki wird angeklagt: er habe Geld von Frau Kortüm unterschlagen und sie dann ermordet.

  • 25.11.2009

    Die Hauptverhandlung vor dem Landgericht München II beginnt.

  • 11.05.2010

    Da Manfred Genditzki den Vorwurf der Unterschlagung vollständig entkräften konnte, kommt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer mit einer neuen Version: Manfred Genditzki habe die alten Dame nach einem Streit niedergeschlagen und anschliessend ertränkt.

  • 12.05.2010

    Manfred Genditzki wird zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt.

  • 12.01.2011

    Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil aus verfahrensrechtlichen Gründen auf und verweist die Sache zurück an das Landgericht München II.


    Lesen Sie hier als PDF...

  • 15.03.2012

    Manfred Genditzki wird erneut vom Landgericht München II zu lebenslanger Haft verurteilt.


    Lesen Sie hier als PDF...

  • 05.09.2012

    Der Bundesgerichtshof lehnt die auf ca. 200 Seiten begründete Revision mit 3 Sätzen als „offensichtlich unbegründet“ ab.


    Lesen Sie hier als PDF...

  • 27.07.2018

    Pressekonferenz zu Manfred Genditzki durch Bayerische Landtags SPD


    Sehen Sie hier...

  • 11.06.2019

    Der Antrag auf Zulassung der Wiederaufnahme wird eingereicht.


    Mehr Informationen


    Lesen Sie hier als PDF...





Jetzt unterschreiben

Zur Petition




Die Fakten

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Falls aus dem Antrag auf Zulassung. Eine ausführlichere Version ist hier verfügbar.



  • Das Gericht hält den Todeszeitpunkt für nicht eingrenzbar
  • Durch ein thermodynamisches Gutachten konnte die Wassertemperatur zum Todeszeitpunkt und damit dieser selbst auf eine Zeit eingegrenzt werden, als Herr Genditzki die Wohnung nachweislich längst verlassen hatte

  • Das Gericht schließt aus, dass Frau Kortüm Wasser in die Badewanne eingelassen, insbesondere Wäsche eingeweicht hätte
  • Durch eine bisher nicht bekannte Zeugin wird bewiesen, dass Frau Kortüm die Badewanne seit je her zum Wäsche einweichen benutzt hat

  • Das Gericht schließt aus, dass die 87-jährige Frau Kortüm krankheitsbedingt gestürzt sein kann
  • Ein neuroradiologisches Gutachten zeigt Veränderungen im Gehirn von Frau Kortüm, die auf eine ausgeprägte Sturzneigung schließen lassen. Zudem berichtet die bisher nicht bekannte Zeugin, dass Frau Kortüm bereits früher häufig gestürzt ist

  • Das Gericht schließt ein Sturzgeschehen aufgrund der Auffindesituation aus. Es schließt weiterhin aus, dass die beiden bei Frau Kortüm festgestellten Kopfschwartenhämatome durch einen Sturz in die Wanne enstanden sein können
  • Ein Computersimulationsgutachten auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zeigt, dass sich ein exakt Frau Kortüm nachgebildetes Menschenmodell bei einem Sturz zweimal an den maßgeblichen Stellen den Kopf mit einer Heftigkeit anschlägt, die geeignet ist, die Hämatome sowie eine Bewusstlosigkeit hervorzurufen, infolge der sie ertrunken sein kann sowie dass sie nach dem Sturz exakt so liegen bleibt wie sie aufgefunden wurde

    Die Simulation kann hier betrachtet werden.



In den Medien - Print

SZ

„Badewannen-Mord” von Rottach-Egern: Der Tod einer alten Dame

Zum Artikel →

SZ

Der Mord, der keiner war

Zum Artikel →

SZ

Im Zweifel gegen den Angeklagten

Zum Artikel →

SZ

Lebenslang aus Mangel an Beweisen

Zum Artikel →

SZ

Was wenn alles anders war?

Zum Artikel →

BR

Der Bayrische Rundfunk schreibt über den Fall, die fehlerhafte Indizienkette, sowie die Anwältin Regina Rick, die den Fall ehrenamtlich übernommen hat.

Zum Artikel →

In den Medien - Film

VOX TV

„In den Fängen der Justiz – Unschuldig in Haft“ - VOX-Reportage vom 14-11-2015

Zur Dokumentation →

BR

„Deutsche Justiz - Wie gefährdet ist unser Recht?“ - BR vom 22.02.2017

Zur Dokumentation →

Spiegel TV

SPIEGEL TV – „Unschuldig im Gefängnis? Der "Badewannen-Mord" von Rottach“ – 12-02-2018

Zur Dokumentation →

ARD

ARD – Simulation & Interview – 18-05-2019

Zur Dokumentation →

ZDF

„Hallo Deutschland - Zu Unrecht im Gefängnis“ ab Minute 15:44

Zur Dokumentation →

MDR

Die Spur der Täter – 21-08-2019

Zur Dokumentation →

Leserbriefe

Die Süddeutsche Zeitung hat mehrere Leserbriefe zum Prozess und zur Verurteilung von Manfred Genditzki veröffentlicht. Die Reaktionen reichen von Entsetzen bis Enttäuschung.

Zu den Leserbriefen →